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Definition, Methode und Satzung

Die Zitate in diesem Papier sind, soweit nicht anders gekennzeichnet, aus der WOSM-Satzung übernommen. (1)

Definition

Die Pfadfinderbewegung ist definiert als: Eine freiwillige, nicht-politische Erziehungsbewegung für junge Leute die offen ist für alle, ohne Unterschiede von Herkunft Rasse oder Glaubenshekenntnis, übereinstimmend mit dem Zweck, den Prinzipien und der Methode, die vom Gründer der Bewegung entwickelt wurden und unten dargestellt sind

Es muß angemerkt werden, daß es nicht möglich ist, alle Aspekte der Pfadfinderbewegung in einer einzigen Aussage zusammenzufassen. Der letzte Abschnitt der obigen Definition unterstreicht dies und betont die Tatsache, daß Zweck, Prinzipien und Methode von Robert Baden-Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung, bestimmt wurden und als wichtiger Teil in die Definition mit aufgenommen wurden.

Diese werden in den folgenden Abschnitten genauer erklärt.

Die Schlüsselbegriffe der Definition, die den Hauptcharakter der Bewegung zum Ausdruck bringt, werden hier kurz erklärt.

Unter dem Begriff Bewegung versteht man eine Serie von organisierten Aktivitäten, die auf ein Ziel gerichtet sind. Eine Bewegung bedeutet deshalb beides: ein Ziel, das erreicht werden soll und einige organisatorische Maßnahmen, um dies zu garantieren.

Der freiwillige Charakter des Pfadfindertums betont die Tatsache, daß Mitglieder sich durch ihren eigenen freien Willen der Bewegung anschließen und die Grundlagen der Bewegung akzeptieren. Dies gilt für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Die Erziehungsbewegung Pfadfinder ist in dem Sinne nicht-politisch, daß sie sich nicht am Machtkampf beteiligt, der das Hauptanliegen der Politik ist und der gewöhnlich im System der politischen Parteien widergespiegelt wird. Dieser unpotitische Charakter wird von allen nationalen Vereinigungen satzungsgemäß verlangt und ist ein grundlegendes Charakteristikum der Bewegung.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß das Pfadfindertum von den politischen Gegebenheiten in einem Land total abgeschieden ist. In erster Linie ist es eine Bewegung, deren Ziel es ist, verantwortungsbewußte Bürger zu erziehen. Diese Erziehung kann nicht ohne das Bewußtsein für die politischen Gegebenheiten im jeweiligen Land geschehen. Auch ist das Pfadfindertum eine Bewegung, die auf einer Anzahl von Prinzipien, sowie Gesetz und Versprechen basiert, welche die politischen Meinungen ihrer Mitglieder beeinflußt.

Das Pfadfindertum wird als eine Erziehungsbewegung definiert. Dies ist unbestreitbar sein Hauptcharakteristikum und wird deshalb hier auch länger ausgeführt.

Im weitesten Sinne kann Erziehung als Prozeß definiert werden, der auf die vollständige Entwicklung der Anlagen eines Menschen zielt.

Das Pfadfindertum muß daher klar von einer reinen Freizeitbewegung unterschieden werden. Ein Image, welches ihm in einigen Teilen der Welt nachgesagt wird. Trotz der Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten im Pfadfindertum sind diese lediglich ein Mittel, um die Ziele zu erreichen, und nicht selbst das Ziel.

Erziehung muß auch vom Prozeß des Erwerbs von speziellem Wissen oder Fähigkeiten unterschieden werden. Wie oben definiert, beinhaltet Erziehung den Ausbau der Fähigkeit des Verstandes und den Ausbau des Bewußtseins, während der Prozeß zum Erwerb speziellen Wissens oder Fähigkeiten als Ausbildung bezeichnet wird.

Mit den Worten des Gründers: �Hier also liegt das wichtigste Ziel des Pfadfindertums: zu erziehen, nicht nach Deinem Willen formen, sondern zu erziehen, d.h. befähige den Jungen, für sich selbst, durch seine eigenen Ansprüche die Dinge zu lernen, die dazu beitragen, seinen Charakter zu bilden. (2)

Der Begriff Erziehung wird normalerweise mit dem Schulsystem verbunden, was jedoch nur eine mögliche Form der Erziehung ist.

Übereinstimmend mit der UNESCO können drei Arten der Erziehung unterschieden werden:

Formelle Erziehung

ist das hierarchisch strukturierte, aufeinander aufbauende Erziehungssystem von der Grundschule bis zur Universität.

Informelle Erziehung

ist der lebenslange Prozeß, wodurch jedes Individuum seine Einstellung, Werte, Fähigkeiten und Wissen erwirbt. Dies geschieht durch tägliche Erfahrungen und durch die erzieherischen Einflüsse und Möglichkeiten in seiner Umwelt.

Nicht-formelle Erziehung

ist organisierte erzieherisch Aktivität außerhalb des formellen Systems. Diese Aktivitäten wenden sich an eine definierte Zielgruppe und dienen definierten Lernzielen.

Das Pfadfindertum gehört zur letztgenannten Kategorie, da es außerhalb des formellen Erziehungssystems steht. Es ist eine Institution mit einem definierten erzieherischen Ziel, die sich an eine definierte Zielgruppe richtet.

Das Pfadfindertum wendet sich an junge Menschen. Es ist eine Jugendbewegung in der die Rolle der Erwachsenen darin besteht, jungen Menschen zu helfen, die Ziele des Pfadfindertums zu erreichen.

Obwohl es Tendenzen für die Altersbegrenzung gibt, existiert keine feste diesbezügliche Regelung. Jede nationale Pfadfinderorganisation bestimmt die angemessenen Altersgrenzen selbst.

Das Pfadfindertum ist offen für alle, ohne Unterschied in Herkunft, Rasse, Klasse oder Glauben. Eine der Grundprinzipien der Bewegung ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung, sofern die betreffende Person sich freiwillig zu dem Zweck, den Prinzipien und der Methode der Bewegung bekennt.

Der Zweck der Pfadfinderbewegung

Der Zweck der Pfadfinderbewegung begründet ihre Existenz und beschreibt ihre Ziele.

Zweck der Pfadfinderbewegung ist es: �zur Entwicklung junger Menschen beizutragen, damit sie ihre vollen körperlichen, intellektuellen, sozialen und geistigen Fähigkeiten als Persönlichkeiten, als verantwortungsbewußte Bürger und als Mitglieder ihrer örtlichen, nationalen und internationalen Gemeinschaft einsetzen können. �

Diese Beschreibung des Ziels unterstreicht den erzieherischen Charakter der Bewegung, der auf die ganzheitliche Entwicklung der individuellen Anlagen zielt.

Ein Grundprinzip der Erziehung ist, daß die verschiedenen Bereiche eines Menschen - körperlich, intellektuell, sozial und geistig - nicht isoliert von einander entwickelt werden können. Der Prozeß der Persönlichkeitsentwicklung kann nur ganzheitlich erfolgen.

Das Pfadfindertum ist natürlich nur ein Faktor in der Entwicklung junger Menschen. Es möchte weder Familie, Schule, religiöse oder soziale Einrichtungen ersetzen, sondern die Erziehungsbemühungen dieser Einrichtungen ergänzen.

Auch das Konzept des verantwortungsbewußten Bürgers muß in einem breiten Zusammenhang gesehen werden.

Zunächst einmal muß ein Mensch als Individuum betrachtet werden. Dieses Individuum ist integriert in eine Gemeinschalt, die wieder Teil einer politischen Struktur ist, welche wiederum Teil eines Staates ist. Schließlich ist es in der Fortsetzung ein Mitglied der internationalen Gemeinschaft. Ein verantwortungsbewußter Bürger muß sich seiner Rechte und Pflichten in bezug auf die unterschiedlichen Gemeinschaften, denen er angehört, bewußt sein.

Die Prinzipien der Pfadfinderbewegung

Die Prinzipien sind die fundamentalen Regeln und Einstellungen, welche zur Erreichung des Ziels beachtet werden müssen. Sie beschreiben einen Verhaltenskodex, der alle Mitglieder charakterisiert. Das Pfadfindertum basiert auf drei Grundprinzipien, die seine fundamentalen Regeln und Einstellungen beschreibt. Diese sind:

die Pflicht gegenüber Gott
die Pflicht gegenüber Dritten
die Pflicht gegenüber sich selbst

Diese erste beschreibt die persönliche Beziehung zu den geistigen Werten des Lebens, die zweite ist die persönliche Beziehung zur Gesellschaft im weitesten Sinne und das dritte benennt die Verpflichtung einer Person gegenüber sich selbst.

Anerkennung eines Gesetz und Versprechens

Die oben angeführten Prinzipien, in Bezug auf die geistigen, sozialen und persönlichen Dimensionen, beschreiben die fundamentalen Regeln und Einstellungen, auf denen das Pfadfindertum basiert.

In der Konsequenz müssen die Programme aller Pfadfinderverbände ein Maximum an Gelegenheiten enthalten, die die Entwicklung junger Menschen auf der Basis dieser Prinzipien ennöglichen. Seit Gründung der Bewegung waren Gesetz und Versprechen die Hilfsmittel, um diese Prinzipien in einer für junge Menschen verständlichen und nachvollziehbaren Art auszudrücken.

Deshalb müssen alle Pfadfinderorganisationen Gesetz und Versprechen verwenden.

In dieser Hinsicht ist das ursprünglich durch den Gründer formulierte Gesetz und Versprechen eine nützliche Quelle zur Inspiration, da sie die Grundlagen der Bewegung verkörpern. Es muß allerdings betont werden, daß das ursprüngliche Gesetz und Versprechen für junge Menschen in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts formuliert wurde.

Jede Pfadflnderorganisation muß gewährleisten, daß ihr Gesetz und Versprechen in einer modernen, der jeweiligen Kultur angepaßten Sprache abgefaßt wird und daß es genau den vorgegebenen Prinzipien entspricht.

Um sicherzustellen, daß die Verschiedenartigkeit der Formulierungen nicht die Einigkeit der Bewegung beeinträchtigt und die Grundlagen der Bewegung richtig wiedergegeben werden, müssen Gesetz und Versprechen vor Inkrafttreten und vor jeder Änderung durch die Weltorganisation genehmigt werden.

Die pfadfinderische Methode

Eine Methode kann als Mittel, das zur Zielerreichung benutzt wird, oder aber als Abfolge von Schritten auf das Ziel zu definiert werden. Wenn, wie das bei der Pfadflnderbewegung der Fall ist, eine Bewegung auf gewissen Grundlagen basiert, so müssen die Methoden auf diesen Grundlagen aufbauen.

Die pfadfinderische Methode ist definiert als: ein System fortschreitender Selbsterziehung durch:

Gesetz und Versprechen
Learning by doing
Bildung kleiner Gruppen (z. B. Sippen),

welche, unter Führung Erwachsener, fortschreitendes Entdecken und Übernehmen von Verantwortung sowie die Erziehung zu Selbständigkeit durch die Entwicklung des Charakters, Anerkennung von Verantwortlichkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit und Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Führung, einbeziehen.

Fortschreitende und attraktive Programme

verschiedenartiger Aktivitäten, die auf den Interessen der Teilnehmer beruhen wie Spiele, sinnvolle Fertigkeiten, Dienst im Gemeinwesen, die weitgehend in engem Kontakt mit Natur und Umwelt stattfinden.

Die pfadfinderische Methode ist also ein System fortschreitender Selbsterziehung.

Wann immer es möglich ist, sollten Pfadfinderaktivitäten im Freien, im direkten Kontakt mit der Natur stattfinden, da sie die ideale Umgebung bietet, in der eine harmonische und ganzheitliche Entwicklung junger Menschen stattfinden kann.