Herzlich willkommen beim
Stamm Mechthild von Lona

Die ersten Wurzeln der Pfadfinderei liegen in Südafrika, genauer gesagt in der Stadt Mafeking, wo um 1900 ein damals noch relativ unbekannter englischer Kolonialoffizier namens Robert Stephenson Smyth Baden-Powell die Stadt gegen die angreifenden Buren verteidigte. In relativ aussichtsloser Lage kam dieser auf die unkonventionelle Idee, auch die Jungen der Stadt in einer Art Kadettenkorps zusammenzufassen und ihnen Späher-Botschafter- und Logistikaufträge zu erteilen. Da hier auf Grund der besonderen Situation militärische Ausbildungswege natürlich völlig ungeeignet waren, ließ er sich eigene Regeln und Methoden einfallen.
Baden-Powell (in Pfadfinderkreisen auch BP oder gar BiPi genannt) hatte
bereits 1899 unter dem Titel Aids to Scouting ein Handbuch für
Kundschafter und Späher verfasst. Nach denselben ungewöhnlichen Methoden
arbeitete er nun mit den Jungen. Die Engländer hatten Glück, die Belagerung
wurde aufgehoben und der Held von Mafeking genoss gerade bei der jungen
Generation eine fast schon kultartige Verehrung. 1903 kehrte er nach England
zurück, wo nicht zuletzt seine Popularität dafür gesorgt hatte, dass das
bereits erwähnte Buch sich mittlerweile wachsender Beliebtheit erfreute. Gerade
bei Jugendgruppen wurde es häufig zur Ausbildung der Beobachtungsgabe benutzt.
Insbesondere die kirchliche Organisation Boys-Brigades des Generals Sir
William Smith übernahm die Anregungen in großer Zahl. Dieser bereits 1894
gegründete Verein mit damals etwa 54000 Mitgliedern versuchte in stark
militärisch geprägten Formen, durch Drill, Bibelstudium und Blasmusik die
Jungen verschiedener Bevölkerungsschichten zu sammeln, ohne dass er es je
geschafft hätte, zu einer Massenbewegung zu werden. Smith übernahm dankbar die
Ideen von Baden-Powell, nicht zuletzt, weil er sich von dessen Ruf eine
größere Anziehungskraft seiner Organisation versprach.
So lud er Baden-Powell ein, an einem Defilee von etwa 8000 Boys-Brigade -Mitgliedern
teilzunehmen. B.P. zeigte sich begeistert, hatte aber eine Vielzahl von
Verbesserungsvorschlägen. Weit davon entfernt, eine eigene Bewegung aufbauen zu
wollen, fing er an, auf der Basis von Aids to Scouting ein komplettes
Ausbildungsprogramm für die Boys Brigades auszuarbeiten. Allerdings
wollte er das Programm vorher testen. 1907 eröffnete er auf Brownsea Island das
erste experimentelle Pfadfinderlager. Das Experiment wurde ein voller Erfolg.
Auch der Londoner Verleger Pearson wurde auf das ungewöhnliche Konzept
aufmerksam. Er regte Baden-Powell an, sowohl eine Vortragsreihe darüber zu
halten wie auch seine Erkenntnisse in Form eines Handbuches zusammenzufassen,
das 1908 unter dem Titel Scouting for Boys auch tatsächlich erschien. Im
Gegensatz zu den eher militärisch geprägten Aids to Scouting war dieses
Buch von Anfang an ein zivil-pädagogisches Projekt. Dieses Buch, das im Laufe
der Zeit in immer neuen Bearbeitungen und Ausgaben vorlag, kann getrost als
Grundstein der heutigen Pfadfinderbewegung angesehen werden. Parallel brachte
Pearson auch die Zeitschrift Scouting heraus, deren Auflage sich bei
wöchentlichem (!) Erscheinen bis Ende des Jahres auf 110000 Exemplare
gesteigert hatte.
Zwar wollte B.P. sein Programm zunächst nur in bestehende Organisationen
einbauen, doch kam es überall im Land auf einmal zu freien Zusammenschlüssen
von Jungen, die frei nach Scouting for Boys Pfadfinderei betrieben. Eine
Zusammenfassung zu einer einheitlichen Bewegung schien unausweichlich. Wiederum
war es der Verleger Pearson, der reagierte und in London ein Büro als Zentrale
der Boy-Scout-Bewegung einrichtete, wo sich Interessierte als Mitglieder der
Bewegung anmelden konnten. Schon Ende 1910 waren es über 100000.
1909 war auch die englische Krone auf die neue Bewegung aufmerksam geworden.
König Edward VII. lud B.P. auf Schloß Balmoral ein. Er übernahm das Patronat
über die Pfadfinderbewegung und legte B.P. nahe, den Militärdienst zu
quittieren und sich ganz dem Aufbau seiner Jugendbewegung zu widmen. Im Mai 1910
nahm B.P. seinen Abschied aus der Armee, um künftig als First Scout die
entstandene Bewegung zu leiten.